Meine Zeit bei diversen Radiosendern

Nach der Zivildienstzeit ging ich nach Berlin. Ich hatte mich für Politologie eingeschrieben. Damals dachte ich, für eine weitere journalistische Karriere könnte man einen akademischen Grad ganz gut gebrauchen.

 Ich habe schnell versucht, noch einen Job neben dem Studium zu finden und hatte einen Kontakt aus Zivildienstzeiten reaktivieren können. Als ich noch beim LBV war, rief die Nachrichtenagentur ddp an, die damals eine ernsthafte Konkurrenz für die DPA werden wollte. Ich schreib einige kurze Texte im Agenturstil über Tourismus und Umweltschutz für ein lächerlich geringes Zeilenhonorar (auch damals ist journalistische Arbeit schon mickrig bezahlt worden).

Ich bewarb mich außerdem bei einer Reihe von Radiosendern in Berlin, unter anderem auch bei neu gestarteten Radio NRJ nahe der Kurfürstenstraße.

Die Arbeitsbedingungen waren relativ schlecht, ich hatte sowieso nur Spätabend- und Nachtschichten und die Bezahlung war minimal. Daher habe ich versucht, einen besseren Arbeitgeber für einen Studentenjob zu finden und bewarb mich beim Mitteldeutschen Rundfunk in Leipzig für das Programm MDR Life in Leipzig, was entfernungsmäßig nicht so weit weg war.

Was war MDR Life?

MDR Life war ein typisches Pop-Programm mit ein paar Nachrichtenelementen und einer der ersten Fast-Nur-Musikradio öffentlich-rechtlicher Prägung im Osten. Die Reichweite war anfangs immens (sicher auch, weil die Frequenzen des populären DDR-Jugendfunks DT64 belegt worden sind), die Charakteristik des Programms eher betulich.

Leider hat sich der Druck angesichts der durch die neue Privatradiokonkurrenz im Team sehr verstärkt, das Management hat wahnwitzige Kontrollstrukturen eingezogen und selbst für freie Mitarbeiter wurde  die Atmosphäre immer unerträglicher.

Die Ausweichmöglichkeiten waren begrenzt. Die Wessi-Ossi-Spannungen in der Bevölkerung haben auch zugenommen, so dass man als Wessi nicht unbedingt bei einem ostdeutschen Sender arbeiten konnte. Ich hatte später die Möglichkeit, beim Sachsen-Ableger von NRJ in Leipzig einzusteigen. Ich bekam die Position Wortschef, eine Art Chefredakteur. Dies war der Versuch dieses Konstrukts, das Programm ein wenig zu professionalisieren. 

Mein Engagement bei Radio Energy (NRJ)

Nach meinem Engagement beim Öffentlich-Rechtlichen wechselt ich, nachdem das Programm gegen die aufkommenden Privatsender nur wenig Chancen hatte und kaum Innovationen zu erwarten waren, begab ich mich wieder auf Jobsuche.

Ich studierte ja nun schon einige Jahre und so langsam musste ich auch einmal an einen festen Job denken. Ich bekam ein Angebot bei der Leipziger NRJ-Station. 

Erst nachdem ich da eingestiegen war, wusste ich wirklich worauf ich mich eingelassen habe. Probleme wohin man nur sah. Ein Programmformat aus dem zwar viele Mitarbeiter ihre Motivation bezogen, für fast nichts zu arbeiten, für das aber zuwenige Hörer zu finden waren, marode, ausrangierte Technik, kaum Budget für Promotion oder Investitionen ins Programm. Dennoch war das Team natürlich stark miteinander verbunden, hoch idealistisch, Freunde findet man in so einem Kontext natürlich nicht.  

Es gab ständige Krisen, denn die Finanzierung war sehr wackelig, persönliche Verwicklungen haben alle Entscheidungen beeinflusst, operativ schwarze Zahlen waren lange nicht in Sicht, das eher kleine Gehalt kam oft zu spät. In den ersten Monaten und Jahren sind wir nicht sehr weit gekommen. Die Qualität unseres Programms war schlecht, die Hörerzahlen fehlten, so dass die Refinanzierungsgrundlage nicht gegeben war.

Eine Investition in neue Sendetechnik war geplant aber wegen Querelen unter den Eigentümern kam dieses Projekt nur schwer voran. Die Investition musste vorgezogen werden, da durch einen Brand in der Vorweihnachtszeit durch eine Kerze das Leipziger Studio ausgebrannt war. Der Sendebetrieb war kaum aufrecht zu erhalten, die Bedingungen waren alles andere als professionell. 

Der Turnaround dauerte immerhin drei Jahre und hat wirklich viele Nerven und Energie gekostet. Drei Jahre klingt lange, doch in dem hochregelementierten, interessensbestimmten Geschäft drehen sich die Mühlen etwas langsamer. Nach vier bis fünf Jahren hatte das Produkt inzwischen eine gewisse Flughöhe errreicht, so dass ein konkurrierender Medienkonzern aufmerksam wurde und sozusagen über bestimmte Schlüsselgesellschafter eine feindliche Übernahme vorbereitet und umgesetzt hat. 

Es war also Zeit, sich erneut umzusehen und neu zu orientieren. 

© 2014 Markus Käkenmeister