World Hosting Days 2014

Die Worldhostingsdays 2014 in Rust - persönliche Eindrücke

THEMA HOSTING / CLOUD
Bei der Veranstaltungsserie WHD (World Hosting Days) handelt es sich um eine Branchenveranstaltung für Internetinfrastrukturdienstleister.

Aussteller und Zielgruppe liegen bei dieser messeartig aufgebauten Veranstaltung recht nahe beieinander. Dieses Jahr konnten die WHD zehnjähriges Jubiläum feiern. Tatsächlich kann der Initiator, Thomas Strohe, auf einen beachtlichen Erfolg zurückblicken.

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In den Anfangsjahren gab es vielleicht für einen halben Businesstag genug Programm, heute dauert die Veranstaltung schon fast eine Woche. Auch die Location hat sich mehrfach geändert. Anfangs lud man zum „Webhostingday“ nach Köln in kleine Messehallen ein, später entstand das Konzept, die Veranstaltung in Vergnügungsparks wie Phantasialand stattfinden zu lassen und stärker zu internationalisieren.

Seit einiger Zeit ist der Europapark Rust die Homebase. Auch inhaltlich haben sich die Akzente verschoben. Anfangs dominierten hardwarenahe Softwarelösungen. Microsoft versuchte seinerzeit vehement, die Linux-Vorherrschaft im Serverbereich zu brechen. In diesem Jahr, 2014, sieht man bei Austellern verstärkt SaaS-Produkte für Endanwender, die im Rahmen von Kooperationsvereinbarungen mit Hostern vertrieben werden.

Cloud Computing und Servervisualisierung ist kein neues Thema mehr, sondern Standard. Natürlich drehte sich die eine oder andere Präsentation um das Thema new Top Level Domains. Meiner Meinung nach hat die Hosting-Branche ein Imageproblem und erscheint in der Öffentlichkeit wie ein Underdog, vergleichbar mit Gas- oder Stromlieferanten. Notwendig, aber nicht sexy.

Der Branche will es einfach nicht gelingen, technische Innovationen, die in vielen Produkten steckt, massenwirksam zu präsentieren. Die Hosting-Branche ist das Motor des Internets, viele glauben aber, Google, Facebook und Microsoft wären das. Und auch im Hostingbereich, der zunehmend mehr als „Cloud“-Branche tituliert wird: Amazon.

Vielleicht rührt die große Internet-Angst und das Ohnmachtbewusstsein vieler angesichts der NSA-Enthüllungen auch daher, dass keiner weiß, wie Webseiten ins Internet kommen, wie das Word Wide Web angetrieben wird und wie bunt die Anbieterlandschaft in Wirklichkeit ist. Das Internet gehört nicht Google, Amazon und Ebay. Nur wer informiert ist, kann öffentliche Debatten führen oder auch nur mitverfolgen.

Immer noch sehen wir als Besucher selbst bei großen Präsentationen auf der Hauptbühne Powerpoint-Slides, die aussehen wie Produktdatenblätter. Für einen Teil der Zielgruppe ist das durchaus die richtige Sprache. Aber auch unter den – dann zumeist jüngeren – Server Adminstratoren und denjenigen, die Rolle des CTOs in Startups einnehmen, gibt es einen großen Teil, die sofort bei Amazon oder Google nachsehen, wenn sie eine Lösung für Speicherplatz oder Rechenkapazität brauchen. Links und rechts schaut man nicht mehr, weil man die vielen Anbieter nicht kennt. Vielfalt ist nur verwirrend. Die Standards setzen die Großen. Schön, dass ins Konferenzprogramm nun auch kontroverse Themen eingebaut werden, die vielleicht den Weg in die Mainstreammedien finden. Es gibt einen Talk per Skype mit Assange, dem Wikileaks – Gründer, der ja auch erfahren musste, dass Amazon ganz einfach seine ganze Enthüllungssammlung von einem Moment auf den anderen offline bringen konnte. Ein weiterer Pluspunkt ist der Versuch, eine Open Source Ecke zu etablieren. Hier durften sich nichtkommerzielle Projekte präsentieren. Dies nutzte auch der CMS Garden, ein organisatorischer Zusammenschluss von Entwicklergruppen bekannter Open Source Content Management Systeme wie WordPress, Joomla! und Drupal. Mit abendlichen Parties versuchen die Veranstalter Stimmung in die Bude zu bringen, was durchaus auch gelingt. Manche Aufführungen sind sogar spektakulär. Dennoch sind die WHD immer noch etwas stark vertriebslastig, eine Verkaufsmesse, kein Kongressevent. Der Eintritt ist gratis, selbst das Essen, durchaus auf hohem Niveau, und auch der Shuttle vom ICE-Bahnhof Offenburg nach Rust ist kostenlos. Diskutiert wird eher wenig. Jeder Präsentator verkauft sein Produkt, obwohl die Präsentationstitel anders klingen. Da kommt schnell das Gefühl der Mogelpackung auf. Hardselling statt Debatte. Wie wichtig ein strahlendes Image sein kann, sieht man ja auch daran, wie Unternehmen wie Google in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden: Innovativ, der Gesellschaft verpflichtet, nützlich für alle, gut. Deutschen und auch europäischen Playern haftet ein eher biederes Image an. „Als Google vor rund einem Jahr mit fünf Millionen Euro eine Berliner Uni sponserte, wurde der Konzern gefeiert. Wir zahlen diese fünf Millionen als Steuern jede dritte Woche aufs Neue. Darüber spricht kein Mensch“, beklagt sich der einzige deutsche Internetmilliardär Ralf Dommermuth von 1&1 (United Internet) aus Karlsruhe im Spiegel Interview (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-90848715.html) vor etwa einem Jahr. Andererseits ist von 1&1 und auch von der anderen Hostinggröße im Deutschen Markt, Strato, das heute zur Telekom gehört, nichts zu sehen. Beide meiden die einzige Branchenveranstaltung von überregionaler Bedeutung in Europa. Recht erstaunt war ich, im 1&1 Blog einen Beitrag über die WHD zu sehen. Einzig der Domainregistrierer InternetX, der inzwischen auch zur United Internet-Gruppe gehört, stellt aus. Möglicherweise liegt das daran, dass die WHDs ein Produkt der Konkurrenz sind. Der Veranstalter und WHD Initiator, Strohe, war bis vor einigen Jahren Chef bei Intergenia, die mit Marken wie Server4You, Serverloft und Plus Server Hosting-Dienste vertreibt.

Weniger…
© 2014 Markus Käkenmeister